Männergesangverein Harmonie Glane von 1870

Das aktuelle Interview mit Antonius Schöning, Vorsitzender des MGV Harmonie Glane

Stadtgespräch Bad Iburg  30.0.2010

Singen im Männerchor war damals – wie Sie in Ihrer Chronik schreiben – „ein Privileg für die etablierten und wohlhabenden Bürger des Ortes“. Ist von diesem Ansatz heute noch etwas übrig geblieben?
In keiner Weise! Aber, um Ihre Frage zu verstehen, muss man wissen, dass es vor sich 140 Jahren nur die wirklich wohlhabenden Bürger leisten konnten, ins Wirtshaus zu gehen. Das hat sich bekanntlich geändert. Heute sind wir im wahrsten Sinne des Wortes ein „Volkschor“. Egal ob Arbeitnehmer oder Unternehmer, ob Handwerker oder Akademiker, jeder der singen möchte, ist uns herzlich willkommen.

Knapp 60 aktive Sänger hat der MGV Harmonie Glane heute, beinahe alle mit grauem Haaransatz – wo bleibt auch in Ihrem Chor der jüngere Nachwuchs?
Um in einem Chor, besser gesagt Männerchor, mit Freude zu singen, bedarf es der regelmäßigen Teilnahme an den Probeabenden. Das unterscheidet uns von den Projekt- und Themenchören, die bekanntlich großen Zulauf haben. Für viele Jüngere ist es schwierig wöchentlich einen festen Termin für Chorarbeit einzuplanen, da ausbildungs- oder berufsbedingt die Möglichkeiten hierzu eingeschränkt sind. Hinzu kommt, dass Männergesangvereinen ein bestimmtes Image anhaftet. Wer Männergesangverein sagt, meint häufig Wein, Weib und Gesang. Das dass für den MGV Harmonie Glane nicht stimmt, haben wir schon mehrfach unter Beweis gestellt. Dennoch – es bedarf einer offensiven Öffentlichkeitsarbeit und Werbung, um die Arbeit in Männergesangvereinen richtig und zeitgemäß darzustellen.

Gibt es Konzepte, wie den Nachwuchssorgen auch im MGV Harmonie Glane erfolgreich begegnet werden kann?

Konzepte ja, aber keine Patentrezepte!. Der Weisheit folgend, dass jeder am Besten vor seiner eigenen Haustür kehrt, werden wir eine gründliche Bestandsaufnahme durchführen und viele Fragen hinsichtlich unserer Strukturen und des Repertoires zu klären haben. Die anstehenden Fragen müssen wir mit Offenheit, Einsicht und Kreativität angehen. Wenn uns das gelingt, bin ich mir sicher, dass am Ende dieses Prozesses ein Konzept stehen wird, das unsere Zielgruppe überzeugt und anspricht. Zielgruppe ist für uns der sangesfreudige Glaner, der neben Beruf und Familie in seiner Freizeit einen Ausgleich sucht. Einen Ausgleich, der ihm sowohl kulturelle Freuden als auch Geselligkeit beschert.

Das Vereinsleben in Glane wird von zahlreichen Vereinen und Verbänden erfolgreich getragen. Wie bringt sich der MGV Harmonie Glane hier auf sichtbare Weise ein?
Wie in vielen Vereinen gibt es auch beim MGV Harmonie Glane einen sich jährlich wiederholenden „ewigen Kalender“. Weihnachten und Ostern in der Kirche, zum Schützenfest und Volkstrauertag am Ehrenmahl singen und öffentlich auftreten. Dazu in größeren Abständen Galakonzerte, die von der Glaner und Bad Iburger Bevölkerung gerne besucht werden. Hier müssen wir uns selbstkritisch fragen, reicht das, um unserer natürlichen Rolle als Kulturträger des Ortes gerecht zu werden? Die Beantwortung dieser Frage ist für mich als Vorsitzenden von entscheidender Bedeutung, wenn es um die Zukunftsfähigkeit unseres Chores geht. Nur wer im Ort gründlich vernetzt ist, wird als Verein eine Zukunft haben. Hier wird ein Schwerpunkt unserer zukünftigen Arbeit liegen.

Sie sind seit fast einem Jahr Vorsitzender des MGV Harmonie Glane und damit Nachfolger von Heino Walke, der über 30 Jahre die Geschicke des Vereins in verantwortlichen Positionen geleitet hat. Was wollen Sie in der Vereinsführung als bewährt beibehalten, wo liegen Ihre Vorstellungen von Änderung und Weiterentwicklung
?
Anlässlich meiner Rede im Rahmen der Feierstunde zu unserem Jubiläum habe ich gesagt: „Nur wer die Glut der Freude am Gesang von der Asche überkommener Gewohnheiten und Rituale eines Vereins trennt, hat eine Zukunft“. Das bedeutet, dass man sich dabei auch von einigen lieb gewonnenen Dingen wird trennen müssen. Will man auf diesem Weg langjährige und verdiente Sänger nicht verlieren, brauchen diese Prozesse Zeit. Diese Zeit werden wir uns nehmen. Um in dem oben angeführten Bild zu bleiben. Auch an heißer Asche kann man sich die Finger verbrennen. Das tut nur weh und ist wenig zielführend. Konkret bedeutet das, dass wir dringend darüber nachdenken müssen, ob wir, wie das in anderen Vereinen auch möglich ist, ein altersadäquates Angebot für die unterschiedlichen Altersgruppen anbieten müssen. Zum einen, um die älter werdenden Stimmen zu pflegen, und zum anderen, um mit den jüngeren Sängern ein zeitgemäßes Repertoire einzustudieren.

140 Jahre MGV Harmonie Glane – wie feiern Sie dieses auch für Männerchöre seltene Jubiläum?
Wir haben die Feierlichkeiten zu unserem Jubiläum in einen „familiären“ und einen „öffentlichen“ Teil getrennt. Den familiären Teil gegangen wir am 04. September mit dem Kreissängerfest. Unsere „Familie“ das sind dabei unsere aktiven und fördernden Mitglieder sowie die Chöre des Teutoburger Sängerkreises. Der öffentlichen Teil besteht aus zwei großen Veranstaltungen. Zum einen der Festgottesdienst und die Feierstunde, die wir am vergangenen Wochenende begannen. Beenden werden wir das Jubiläumsjahr mit dem großen Galakonzert am 06. November. Unter dem Titel „Wir machen Musik“, werden wir unsere Freunde und das Publikum mit beliebtesten Melodien aus den „goldenen“ UFA Filmen unterhalten. Stargast des Abends wird das bekannte A-Capella-Vokalensemble „bon.timbre“ sein. Ein absoluter Hochgenuss für alle Freude der Chormusik


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